Residenz Verlag, 250 SeitenISBN: 9783701715831




(8 Rezensionen)
BdB-Rating: 3.9 Bewerber insgesamt: 19
Der Blick für das Absurde im Alltäglichen und das Alltägliche im Absurden
Was haben Miranda July, Markus Werner und Wilhelm Genazino gemeinsam? Lesen Sie dieses Buch und Sie wissen es.
Maria hat Zeit. So sitzt sie tagsüber oft auf einer Bank am Platz vor der Kirche, beobachtet das Treiben dort, ein Kommen und Gehen, Leute, die Ziele haben und wenig Zeit. Die arbeitslose Textilfachverkäuferin kennt sich mit Stoffen aus, weiß, was zueinander passt, was Schwächen kaschiert und Vorzüge betont. In ihrem Fall ist das schwieriger: Welcher Vorzug macht ihr Alter vergessen für einen Markt, der sie nicht braucht? Alt ist sie nicht, sie steht mitten im Leben, vielleicht nur nicht mit beiden Beinen. Aber ihr Leben läuft trotzdem rückwärts, an seinen Möglichkeiten, Träumen und Unfällen vorbei: Otto, der sein Leben im Gemüsefach lässt und dessen Grab ein Schneemann bewachen soll, Walter, den Elvis-Imitator von der traurigen Gestalt, der sie zur Ehefrau und zur Witwe macht, Eduard, dem sie ein Schnittmuster auf die Haut malt und der dann doch mit einer anderen aus der Stadt zurückkehrt, ihre kleinere Schwester, die sosehr Mutter ist, dass sie Maria wie ein Kind behandelt, ein Nacktschwimmer, der ihr das Herz eines Fisches schenkt ...
In solchen Geschichten um solche Menschen, liebenswert in ihrer skurrilen Versponnenheit, entwirft Anna Weidenholzer behutsam und mit einem hellwachen Blick für das Absurde im Alltäglichen und das Alltägliche im Absurden ein Bild von einer Frau am Rande der Gesellschaft. Ja, sie zeigt vor allem, was das heißt: Der Rand der Gesellschaft ist immer noch mitten im Leben. Und davon ist dieses Buch voll wie selten eines.
Anna Weidenholzer
Anna Weidenholzer
geboren 1984 in Linz, lebt in Wien. Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaft in Wien und Wrocław, Polen. Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien, zahlreiche Auszeichnungen, u.a. Alfred-Gesswein-Preis 2009, Aufenthaltsstipendium Schloss Wiepersdorf 2011, Staatsstipendium für Literatur 2011/2012. Mit ihrem ersten Buch, „Der Platz des Hundes“ (2010), war sie 2011 für das Europäische Festival des Debütromans in Kiel nominiert.
Neueste Rezensionen




Sehr anschaulich und teils poetischauf Hasewue's Blog, Montag, 26. November 2012




Ein erstaunlicher Roman: großartig, berührend, ungewöhnlichauf buzzaldrins Bücherblog, Sonntag, 25. November 2012




Buch mit Auge für die kleinen Detailsauf Der alltägliche Wahnsinn, Mittwoch, 21. November 2012




Schlicht aber berührend.auf Schubidu&Tralala, Dienstag, 20. November 2012




Langatmig und grauauf Ich & Frau Schmitt, Dienstag, 13. November 2012




Es hat mich gut unterhalten.auf Somewhere with books, Sonntag, 11. November 2012




Trotz des interessanten Themas keine volle Punktzahl...auf Ina_Kzeptabel(t), Dienstag, 06. November 2012




Seltsam berührender Ausflug in das Lebenauf Konzept, Sonntag, 04. November 2012
