Der entfesselte Skandal. Das Ende der Kontrolle im digitalen Zeitalter

Der entfesselte Skandal. Das Ende der Kontrolle im digitalen Zeitalter (Front-Cover) Herbert von Halem, 248 Seiten
ISBN: 9783869620589
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BdB-Rating: 4.0

Der Skandal ist heute überall: Jeder kann ihn auslösen, jeden kann er treffen.

Ein amerikanischer Präsident gerät in Bedrängnis, weil auf einer Website über eine Sexaffäre mit einer Praktikantin spekuliert wird. WikiLeaks blamiert zuerst eine Weltmacht – und dann sich selbst. Politiker stürzen über Plagiate, die sich im Netz detailgenau dokumentieren lassen. Blogger prangern einige wenige, unbeachtet gebliebene Sätze des Bundespräsidenten an und forcieren im Verbund mit klassischen Massenmedien seinen Rücktritt. Handyvideos beenden Karrieren, Twitter-Botschaften sorgen für Empörung, in die falschen Kanäle gelangte E-Mails werden zu Beweisen eines Vergehens, die sich nicht mehr beseitigen lassen.

Alle senden, speichern, publizieren. Und immer mehr Daten lassen sich immer leichter durchsuchen und verknüpfen – und eines Tages in leicht zugängliche Dokumente der Blamage und der Demontage verwandeln. Smartphones, Digitalkameras, leistungsstarke Computer, Netzwerk- und Multimedia-Plattformen, persönliche Websites und Wikis sind die neuartigen Instrumente der Skandalisierung. Sie liegen heute in den Händen aller. Blitzschnell sind Transparenz und Aufklärung möglich – und in rasender Geschwindigkeit verbreiten sich Gerüchte und Falschmeldungen, bilden sich Protest- und Wutgemeinschaften, die mit Schicksalen auf einer weltweit sichtbaren Bühne spielen. Längst sind es nicht mehr nur Mächtige und Prominente, die zum Objekt unerwünschter Aufmerksamkeit werden. Und selbst unbedeutendes Fehlverhalten bleibt öffentlich abrufbar und weltweit präsent.

Dieser glänzend geschriebene, materialreiche Essay ist eine Provokation. Zur Debatte steht die Diagnose der Autoren, dass wir die Kontrolle über unser öffentliches Bild verlieren und dass die Reputation von Einzelnen, aber auch von Unternehmen und Staaten in Rekordzeit implodieren kann. Im Zeitalter der digitalen Überall-Medien und der wechselseitigen Dauerbeobachtung ist der Skandal allgegenwärtig. Jeder kann ihn auslösen, jeden kann er treffen. „Handele stets so“, so lautet der kategorische Imperativ dieses neuen Zeitalters, „dass Dir öffentliche Effekte langfristig vertretbar erscheinen. Aber rechne damit, dass dies nichts nützt.“

 

Bernhard Pörksen

Bernhard Pörksen, Jg. 1969, war sechs Jahre lang als Professor für Journalistik und Kommunikationswissenschaft an der Universität Hamburg tätig und ist heute Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen. Er studierte Germanistik, Journalistik und Biologie in Hamburg und den USA (Pennsylvania State University), volontierte beim Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatt und arbeitet seit über zehn Jahren als Journalist und Buchautor. Essays und Kommentare, Reportagen und Interviews erschienen in vielen Tages- und Wochenzeitungen. Er hat zahlreiche Beiträge in wissenschaftlichen Zeitschriften und Fachbüchern veröffentlicht; seine Bücher über Kybernetik und Konstruktivismus (u. a. Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners mit Heinz von Foerster) wurden ins Englische, Spanische, Dänische und Italienische übersetzt. 2008 wurde Bernhard Pörksen zum „Professor des Jahres“ in der Kategorie Geistes-, Gesellschafts- und Kulturwissenschaften gewählt.

Hanne Detel

Hanne Detel, Jg. 1983, arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medienwissenschaft der Universität Tübingen. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören Medium-Theorien und Mediatisierungsforschung, das Social Web, Skandalisierung und (ungewollte) Prominenz im digitalen Zeitalter. In Hamburg und Stellenbosch (Südafrika) studierte sie – gefördert von der Studienstiftung des deutschen Volkes – Journalistik und Kommunikationswissenschaft, Öffentliches Recht sowie Osteuropastudien. Parallel dazu absolvierte sie die Journalistenausbildung der Konrad-Adenauer-Stiftung und arbeitete für die Deutsche Presse-Agentur (dpa).

 

 

Neueste Rezensionen

Whole StarWhole StarWhole StarWhole StarWhole Star Sollte jeder Internetnutzer gelesen haben!
Dienstag, 10. Juli 2012     Blog: Gelebt, Gesehen, Gedacht, Gebl
“Der entfesselte Skandal” ist nicht nur ein wissenschaftliches Werk, sondern auch ein Aufruf dazu, erst nachzudenken, bevor man privates im Internet veröffentlicht. Skandale keine “Distanzereignisse” mehr sind – sie sind in unser aller Leben bereits angekommen und ständig präsent. Allein schon, wenn ich daran denke, wie sich manche Facebook-User in ein paar Jahren für ihre – aus der Chronik ja so gut wie unlöschbaren – Schmalz-Herzschmerz-Teenie-Statusmeldungen schämen werden, ...
Whole StarWhole StarWhole StarWhole StarWhole Star Lesenswertes Unterhaltungslernen!
Freitag, 15. Juni 2012     Blog: Das A und das O
Wissenschaftliche Schriften schrecken den Unterhaltungsleser ja immer ein bisschen ab. Die Sprache, die Ausführungen, das ist zu anstrengend. Nicht jedoch in diesem Fall. Ganz dem nach Unterhaltung strebenden Muster medialer Berieselung und Bereicherung bieten die beiden Autoren einen äußerst unterhaltsamen und dabei nicht minder aufschlussreichen Einblick, ja eigentlich lehrreichen Durchblick zum Thema Skandal und Skandalisierung im Bereich der digitalen Medien.
Whole StarWhole StarWhole StarWhole StarWhole Star Der moderne Skandal – absolut interessant und brandaktuell!
Freitag, 01. Juni 2012     Blog: El Tragalibros - der Bücherwurm
Der entfesselte Skandal ist ein Sachbuch, das nicht nur durch seine Aktualität für sich spricht, sondern darüber hinaus jeden einzelnen Leser betrifft. Durch die intensive Recherche der Autoren, die zusätzliche Unterstützung von schwarz-weiß Fotos und Definitionserklärungen neuer Medienphänomene ist es auch für Leser verständlich geschrieben, die sich nicht so gut mit den neuen Medien, wie Smartphones, Twitter oder Social Web Media auskennen.
Whole StarWhole StarWhole StarWhole StarWhole Star Gut recherchiertes und lückenlos dokumentiertes Essay
Montag, 28. Mai 2012     Blog: WobIntoshs Blog
Meiner Meinung nach ist das Buch durchaus lesenswert, unter Anderen, weil die rekonstruierten Fälle nicht total abstrus sind, sondern entweder allen bekannt sind (Guttenberg, Wikileaks) oder schon lange als “Worst Case” für Webnutzer gelten: Man schreibt etwas privates in einem Blog für ein paar Freunde, die geben es weiter, die ganze Welt erfährt es und man ist seinen Job los, und das in Rekordzeit.
Whole StarEmpty StarEmpty StarEmpty StarEmpty Star Das Buch ist besonders Erwachsenen & Studenten zu empfehlen
Mittwoch, 16. Mai 2012     Blog: Sabatea liebt ihr Wunderland
Das Buch begann mit einigen Schilderungen vom Skandalen der jüngsten Zeit, die durch das Internet hervorgerufen waren. Interessiert und positiv überrascht begann ich voller Elan zu lesen. Doch schon auf Seite 25 begannen die Probleme: Es wurde langweiliger & ich habe mich immer wieder erwischt wie ich Sätze und ganze Absätze übersprang, nur um zu einem interessanteren Teil zu kommen. Manche Ausdrücke musste ich sogar nachschlagen (ja, ich schlage nach, ich google so etwas nur selten) obwohl ich eigentlich nie Probleme mit Fremdwörtern oder komplizierterer Satzstellung hatte.
Whole StarWhole StarWhole StarEmpty StarEmpty Star Interessante Auflistung von Skandalen
Sonntag, 06. Mai 2012     Blog: Living the Future
Nun ist für mich gerade auch als Blogger durchaus interessant, welche Rolle das Netz und die Digitalisierung bei den aktuellen Skandalen spielt. Aber leider versagt meiner Ansicht nach das Buch hier in weiten Teilen. Es fühlt sich vielmehr an wie eine dokumentarische Aneinanderung von Skandalen der jüngsten Vergangenheit, die dazu herhalten müssen, die These zu stützen, dass im digitalen Zeitalter die Kontrolle über das Geschehen und die Medien verloren wurde. Dabei fehlt mir aber in weiten Teilen die Substanz und gelegentlich gar das Verständnis für die Mechanismen der sozialen Netze.
Whole StarWhole StarWhole StarWhole StarEmpty Star Grandioser Einstieg in die Gedankenwelt des Internets!
Mittwoch, 02. Mai 2012     Blog: Blog - Boxedpages: News, IT, Gesellschaft und Du
Durchzogen von etlichen Quellenangaben und intensivst recherchierten Beispielfällen bietet das Buch eine ungewohnt tiefe Einsicht in den Eskalationsentwurf von teils lapidaren ungewollt veröffentlichten Videos und Skandalen, als auch gewollter Veröffentlichungen deren Kontext allerdings komplett verdreht wurde. Angefangen vom Star Wars Kid über Monica Lewinsky und Bill Clinton bis hin zu Nestlé und Guttenberg sind alle Akteure des Internets in diesem Buch vertreten welche sich gewollt oder ungewollt durch einzelne Individuen dem globalen Mob stellen mussten.